Der Himmel um Lyanar hatte sich inzwischen in ein bedrohliches Rot verfärbt. Die dichten, dunkelschwarzen Rauchschwaden zogen sich wie Wurzeln hunderte Meter in den Himmel. Es hatte fast schon etwas malerisches an sich, wenn man davon absah, dass die Überlebenden auf der Seefalke, der Schönheit der Tiefe und der Mondsichel gerade ihre Heimat vernichten mussten. Mit all den tausenden von Seelen, die dort noch gefangen waren oder die Wandlung zum Schläferzombie durchmachten.

Ein hoch gewachsener Elf steht gemeinsam mit einigen anderen an der Reling und blickt betroffen in Richtung der brennenden Stadt. Sein weiß-blaues Gewand ist von einer dicken Rußschicht bedeckt. Die verdreckten platinblonden Haare und vereinzelte Kratzer in seinem Gesicht scheinen jedoch kaum Einfluss auf sein aristokratisches Gebähren und Auftreten zu haben. Es handelt sich um den Elfenedlen Althyrian aus dem Hause Fenbalar. Obwohl ihm keine Träne über die Wange rollt, so scheint auch er wahrlich gezeichnet von dem Horror den er gerade noch durchgemacht hatte.

Ein weiterer Elf nähert sich von hinten der Gruppe, leicht humpelnd bis er bei dem Edlen angekommen ist. "Mein Herr, nehmt den Blick von der Stadt, es wird eure Seele verändern. Ihr könnt nicht mehr verändern, was wir tun mussten um zu entkommen. Das Haus Fenbalar wird fortbestehen und auch meine Sippe habt Ihr gerettet." spricht dieser dann, während er eine Hand behutsam auf die Schulter von Althyrian legt. "Hätte es eine andere Möglichkeit gegeben hätte der König die Stadt sicher nicht den Flammen hingegeben, doch viele unseres Volkes waren dem Schläfer bereits anheim gefallen, hätten wir noch länger gewartet, hätte die Seefalke wohl auch Feuer gefangen." Er lässt seine Hand noch einen Moment auf Althyrians Schulter ruhen und wendet sich dann einer schluchzenden Elfenfrau mit ihrem Kind zu

Nach einem weiteren langen Blick auf das brennende Lyanar, wendet sich der Edle dann ab und begibt sich auf das erhöht liegende Deck auf dem der Steuermann mit grimmigen Blick versucht seinen Blick am Horizont zu halten und nicht ebenfalls zu seinen verlorenen Lieben zurückzublicken.

Am Bug der leicht versetzt fahrenden Mondsichel steht eine junge Elfe, deren schneeweißes Haar im Fahrtwind weht. Die türkisfarbenen Augen mit Tränen gefüllt hat sie ganz bewusst den Blick von der brennenden Stadt abgewandt. Ein ebenfalls weißhaariger Elf mit strengem Blick tritt an die junge Frau heran und legt ihr einen Umhang um die Schultern "vergieße keine Tränen Naheniel. Die Götter haben großes mit uns vor" sagt er um seine Tochter zu trösten, doch so recht überzeugend klingt er nicht. Sein Blick fällt hinüber auf die Seefalke "Die Fenbalar haben es also auch aus der Stadt geschafft." Ohne weitere Worte wendet er sich ab und geht auf das untere Deck zurück. Naheniel sieht gedankenverloren hinüber auf das Schiff des Hauses Fenbalar. Sie kann Elfen an Deck sehen, doch der Entfernung und der Tränen in ihren Augen verschuldet kann sie nicht erkennen, ob ihr bekannte Gesichter dabei sind.

Der Himmel über den Schiffen hatte sich inzwischen in eine dichte Wolkendecke gehüllt. Es sieht aus, als würde in der nächsten Stunde noch Regen fallen. Althyrian wendet sich nun am Steuerdeck an die Reling und blickt gen der Mondsichel. Es ist das schneeweiße Haar der dort stehenden Elfe, dass seinen Blick einzufangen vermag wie es bisher nur sein treues Ross zu tun vermochte. Für einen kurzen Moment, vergaß er, dass er auf das Schiff der Familie Tirràna blickte. Doch als er das Wappen der Familie am Schiff erkannte, grämte er sich. "Von all jenen die dieses Schauerspiel überlebten, waren die Tirrànas jene, mit denen ich am wenigsten gerechnet hatte." wendet er sich an den Steuermann.

"Mein Herr, müssen wir nicht froh sein, dass es doch so viele von uns geschafft haben? Wieso grämt Ihr euch nun?" spricht der Steuermann knapp. Ehe er den Kurs wieder leicht korrigiert und seinen Kopf dann zu Althyrian wendet. "Ich gräme mich nicht ob der Tatsache, dass das Haus überlebt hat. Ich wüsste die Präsenz der Schneehaare nur gerne anderswo, vor allem in Zeiten wo das Hause Fenbalar nicht prunkvoll wie eh und je präsentiert wird, sondern in verrußten Lumpen aus ihrer Heimat flüchtet." Die Hände des Edlen greifen stärker um das helle Holz der Reling.

"Denkt Ihr, Herr, dass die Karten die uns dieser llordanische Bote damals übergab, akkurat waren? Er mochte ein Waldelf sein, doch sind diese ja nicht gerade dafür bekannt, Seekarten anzufertigen." der Steuermann blickt etwas ungläubig auf den Kompass, den Kurs südöstlich. "Diese Llordanier waren ihren Angaben nach weit gereist und trotz ihrer wäldlichen Herkunft gut zu Schiff. Ich..." er blickt auf den wolkenbehangenen Himmel "Ich denke, wir haben gar keine andere Wahl als diesen alten Karten zu vertrauen und darauf zu hoffen, dass es das darin beschriebene Tal wirklich gibt. Da sich diese llordanier nie wieder blicken ließen und niemand damit gerechnet hatte, dass die Schläferkranken je eine solche Gefahr werden könnten, hat unser König es leider verabsäumt, die Richtigkeit der Karten zu prüfen." Althyrian löst sich dann von der Reling und geht auf das Mitteldeck. Ehe er die Treppe hinuntersteigt wendet er sich noch einmal an den Steuermann. "Haltet den Kurs und haltet uns aus Stürmen raus. Die anderen haben genug ertragen, ein Sturm würde die Moral noch weiter beeinträchtigen."

Naheniel bleibt noch einige Zeit am Bug der Mondsichel stehen - hat einer der Passagiere der Seefalke zu ihr herüber geschaut? Naheniel ist sich unsicher. Ihre Gedanken kreisen noch ein Weile darum. Wer war dieser Elf? Ob er auch so nahe Angehörige an den Schläfer verloren hatte wie sie selbst? Und wohin es die Passagiere der drei Elfenschiffe wohl verschlagen wird. Ihr Vater und der Steuermann schienen einen Plan zu haben, von dem sie nichts wusste und selbst auf Nachfrage nicht erzählt bekommen würde. Denn immer wenn sie Interesse an den Angelegenheiten ihres Vaters zeigte sagte er nur "das ist nichts für das zarte Gemüt meiner Mondblüte."

Am Horizont hinter dem Heck der Mondsichel war nebst der durch zunehmenden Abstand zum Festland kleiner werdenden Rauchschwaden ein tiefes Donnergrollen. Die junge Elfe schlingt den Umhang den ihr Vater ihr um die Schultern gelegt hatte enger um ihren Körper und verlässt eiligen Schrittes das Oberdeck um zu den meisten der übrigen Passagiere unter Deck zurück zu kehren. Ihre Gedanken kreisten dennoch weiter um die Seefalke.

Althyrian war gerade in seine Kabine gegangen als die ersten Regentropfen vom Himmel fielen. Schnell, wuselte die Besatzung des Schiffes umher um sich mit feinen, weißen Lederschutzmänteln zu versorgen. Jene Elfen, die keine Arbeit an Deck zu verrichten haben, begaben sich daraufhin unter Deck. Man konnte schließlich nicht riskieren nun auch noch der Krankheit durch die Nässe und den kühlen Wind anheim zu fallen.

An seinem großen aus hellem Birkenholz gefertigten Schreibtisch angekommen begann der Elfenedle sich dem Stapel an Dokumenten zu widmen, die sich in der letzten Woche angesammelt hatten. Briefe, Urkunden und das ein oder andere Gedicht. Diese abzuarbeiten wirkte etwas schaurig auf Althyrian, schließlich war die Hälfte der Absender und Empfänger nun tot. Die anderen waren auf anderen Schiffen unterwegs und mussten wohl noch etwas warten, bis sie Nachricht ihrer Lieben erhalten könnten.

Mit einem leichten Schnaufen fuhr er sich dann mit Zeigefinger und Daumen über die Augenbrauen um seine Stirn dann leicht zwischen den gespreizten Fingern ruhen zu lassen. "Ich hoffe wahrlich, dass diese Karten stimmen und wir bald auf ein schläferfreies Land stoßen werden." Der junge Elf verharrt dann in dieser Position.

Zur gleichen Zeit macht die Besatzung des Schiffs dieses schon bereit für schlechtes Wetter. Wenn der Steuermann sich gut anstellen würde, wird das Schiff wohl nur am Rande des kommenden Sturmes entlangschrammen. Ansonsten würde den Elfen wohl noch eine Prüfung bevorstehen.

In immer kürzeren Abständen konnten die Passagiere der drei Elfenschiffe nun Blitze und Donner wahrnehmen. Obwohl es unter Deck windstill, angenehm ausgeleuchtet und bedeutend weniger laut als an Deck war, begannen einige kleine Kinder bei dem lauten Donnerkrachen zu weinen. Naheniel kann dem Kindergeschrei kaum einen Augenblick stand halten und zieht sich rasch in die Kajüte ihrer Familie zurück. Dort auf einer Kleiderkiste lag sachte und dennoch reisesicher mit Lederbändern angebunden ihre Lyra. Der Anblick des Instruments trieb der jungen Elfe Tränen in die Augen, hatte sie doch ihre große Standharfe im nun brennenden Haus der Familie zurück lassen müssen. Obwohl der Wellengang deutlich spürbar zunimmt hatte Naheniel beschlossen nun ihr Instrument von der Kiste loszubinden um darauf zu spielen. Sie lässt gerade die ersten feinen, klaren Töne erklingen als ihr Vater den Raum betritt "Geh hinaus und spiele für die Frauen und Kinder. Sie sollen sich beruhigen durch deine Musik. Sonst kann ich keinen klaren Gedanken fassen an Bord dieses Schiffes...". Die Tochter tut wie ihr gehießen wurde, auch wenn es sie große Überwindung kostet zu den schreienden Kindern in den großen Raum im Bauch des Schiffes zurück zu kehren. Ohne ein Wort mit den anwesenden zu sprechen setzt sie erneut zum Spiel auf der Lyra an. Die schreienden Kinder verstummen, die aufgeregten Elfen die zuvor rege über ihre Reise ins Ungewisse diskutiert und sich dabei die unterschiedlichsten Horrorszenarien ausgemalt hatten halten nun inne und lauschen der Musik.

Der zunehmende Seegang erschwert es dem Steuermann der Seefalke sichtlich, das Schiff ruhig in den Wellen zu halten. Doch selbst dies konnte das Pflichtbewusstseins Althyrians nur insofern beeinträchtigen, als dass bei der ersten größeren Welle das fein verzierte Tintenfässchen umfiel und einen Großteil des sich in Verfassung befindenden Briefes mit ihrem dunkelblauen Gut benetzte. Etwas agitiert aber dennoch mit bestimmten Griff, verräumte Althyrian dann Schreibzeug und Dokumente in einer kleinen silbernen Schließkassette. Danach griff er ebenso nach seinem weißen Ledermantel und machte sich daran rasch wieder an Deck zu kommen. Der Sturm war inzwischen in vollem Gange. Wellen preschten gegen die Schiffswände und die Gischt sammelte sich an Deck nur um dann unter dem Schanzkleid wieder ins Meer zurückzufließen.

An Deck herrschte ein rauer Ton und eine Stimmung lag in der Luft die sich am ehesten als eine Mischung aus purem Chaos und geordnetem Ablauf beschreiben ließe. Einer der Elfen an der Reling des Steuerdecks wandte sich rufend an Althyrian: "Du da! Steh nicht nur rum, hilf uns die Segel einzuholen, der Sturm kam weit schneller als uns Lieb war und wir haben bereits zuwenig gesunde Hände!" "Welch ein Affront!" dachte sich der junge Elfenedle einen Moment, ehe er bemerkte, dass er sich mit seinem Mantel wohl nicht von den anderen unterscheiden ließe.

Rasch eilte er nach oben um dem Elfen beim Einziehen des Besans Unterstützung zu leisten. Dieser, bemerkte rasch, wer da zu ihm geeilt war. Die gewaltigen Sturmboen die über Deck peitschten raubten ihm jedoch jeglichen Atem um sich bei seinem Herrn zu entschuldigen. Die Segel mussten um jeden Preis eingeholt werden, sonst drohe die Seefalke zu kentern.

Das Schaukeln und Wanken des Schiffes durch den heftigen Seegang hatte so stark zugenommen, dass trotz Naheniels Harfenspiel wieder einige der jüngsten Elfenkinder zu weinen begonnen hatten. Die Laternen die an den Decken angebracht sind um den großen Raum in Licht zu tauchen sind inzwischen größtenteils erloschen und der Sturm peitscht und pfeift so stark um das Schiff, dass die zarten Töne der elfischen Handharfe nur noch von den Naheniel am nächsten sitzenden Passagieren der Mondsichel zu hören sind. Die Unruhe unter den Elfen wird größer. Lediglich Naheniel und eben Jene die ihr Harfenspiel noch vernehmen können scheinen ganz ruhig, fast schon entspannt zu wirken.

An Deck der Mondsichel kämpfen die Seemänner und auch einige weitere zur Hilfe herbei geholte Männer darum das Schiff auf Kurs zu halten. Folgt der Seefalke und stellt sicher dass wir auch den Blickkontakt zur Schönheit der Tiefe nicht verlieren - das war der Befehl den Geldarion Tir`rána an seinen Steuermann und dieser an seine Crew gegeben hat. Auch wenn er kein großer Bewunderer der Fenbalar war, sie schienen einem Ziel entgegen zu fahren und sich in dieser Situation aufzuteilen schien ihm nicht klug.

Der Sturm befand sich gerade auf seinem Höhepunkt, als die Schönheit der Tiefe von einer gewaltigen Welle erfasst wurde und in Ostwärts getrieben wurde. Zwar konnten sie, die Segel rechtzeitig einholen um ein Kentern zu verhindern, doch schien, soweit dies von der Seefalke aus zu sehen war, dass Ruder durch die Wassermassen so schwer beschädigt worden zu sein, dass koordinierte Bewegungen des Schiffes unmöglich gemacht wurden.

Just als einer der Matrosen der Seefalke dies sah, wandte er sich umgehend an den von der harten Arbeit schon leicht gezeichneten Althyrian. "Herr! Die Schönheit der Tiefe driftet ab, ihr Ruder scheint gebrochen. Was sollen wir tun?!" Schrecken zeichnete sich für einen Moment im Gesicht des jungen Elfen ab. "Lasst Signal geben und tut euer Bestes, dass wir den Sichtkontakt zu ihnen nicht verlieren. Wir können es uns nicht leisten noch mehr unseres Volkes im Stich zu lassen." dann eilt Althyrian zur Reling und blickt unglaubwürdig in Richtung der davondriftenden Schönheit der Tiefe.

Der laute, durch den Sturm etwas verzerrte, Klang eines elfischen Horns, reißt ihn dann aus der Gedankenschleife die den Edlen sofort zu quälen begann. Sie würden die Schönheit der Tiefe wieder einholen, da war er sich sicher, doch würden sie sie rechtzeitig erreichen?

Der Hornstoß lässt Naheniel und die letzten ihrem Harfenspiel lauschenden Elfen aufschrecken. Ein sehr alter Elf der nur wenige Schritt von Naheniel entfernt sitzt sagt mit erschrockener Stimme "Das Horn ist ein Warnsignal. Etwas schlimmes muss passiert sein!" Die Unruhe unter den Passagieren im Bauch der Mondsichel nimmt zu. Die Elfen reden aufgeregt aufeinander ein, auch einige der älteren Elfenkinder beginnen zu weinen und eine Gruppe verängstigt wirkender Elfenfraun kommen auf Naheniel zu um sie mit Fragen zu löchern. "Was geschieht nun?", "Was hat dieser Hornstoß zu bedeuten?", "Ihr wisst doch sicherlich bescheid was euer Vater und der Steuermann jetzt tun werden?!" Sich an ihrer Lyra festklammernd weicht Naheniel ein paar Schritte vor den Frauen zurück und schüttelt den Kopf "Ich weiß es nicht. Ich weiß so wenig wie ihr" erklingt ihre eigentlich sanfte aber jetzt vor Angst zitternde Stimme ehe sie sich abwendet und mit eiligen Schritten in den privaten Raum der Familie Tir'rána zurück eilt und die dicke, hölzerne Tür hinter sich verschließt.

An Deck der Mondsichel schreien sich die Seemänner Befehle zu. Man hatte hier natürlich auch mitbekommen was mit der Schönheit der Tiefe passiert war. Verschiedene Segel werden komplett eingeholt, andere kleinere Segel gehisst. Eine Gruppe Männer macht bereit eine Vielzahl Seile mit metallenen Haken daran bereit, mit denen man die vom Kurs abgekommene und manövrierunfähige Schönheit der Tiefe einfangen will, aber zuerst muss die Mondsichel drehen.

Für ein Schiff ihrer Größe korrigierte die Seefalke rasch ihren Kurs. Ob dies am Geschick des seefesten Steuermannes lag, welcher die Wellenbewegung für die Drehung nutzte oder an einem Eingreifen der Götter, war unklar. Es ließ sogleich die Hoffnung in den Herzen der Männer und Frauen an Bord des febalarischen Schiffes höher Schlagen. Doch die Ernüchterung ließ in diesem Fall nicht lange auf sich warten. Die Schönheit der Tiefe musste in eine Strömung geraten sein, denn sie verschwand immer weiter ins dunkle der Nacht. Der Regen, vom Wind fast waagrecht getragen machte es zudem äußerst schwer, das Licht der Seelaterne die auf der Schönheit brannte wahrzunehmen.

"Mein Herr! Das Sternenlicht der Schönheit, es ist kaum mehr zu sehen!" merkte eine Matrosin an, während sie sich weit über die Reling lehnte im verzweifelten Versuch, das Schiff nicht aus den Augen zu verlieren. "Haltet den Kurs, solange die Strömung sich nicht verändert, werden wir sie früher oder später einholen." sagte Althyrian, ein leichtes Zittern in der Stimme deutete jedoch seine Unsicherheit an. Unsicherheit, das Schiff aufrecht auf dem Meer zu finden, nicht gekentert mit einem Haufen ertrunkener Arelith.

Als die Seefalke nun wieder volle Fahrt aufgenommen hatte, begann der Sturm langsam schwächer zu werden.

Die Matrosen an Deck der Mondsichel atmen trotz ihrer Schwerstarbeit die sie in der stürmischen Nacht vollbringen erleichtert auf als sie sehen, dass auch die Seefalke ihren Kurs wechselt und der Schönheit der Tiefe zu folgen versucht. Der Steuermann der Seefalke war der erfahrenere Seemann, weshalb Geldarion Tir`rána den Steuermann seines Schiffes anhieß das Schiff der Fenbalar passieren zu lassen und ihm dann zu folgen.

Die Verfolgung der Beiden Schiffe sollte sich noch die ganze Nacht hinziehen. Der Sturm, flaute inzwischen immer weiter ab und aus den peitschenden Winden des Sturmes wurde wieder eine leichte Brise die nach dem Sturm nun salzige Morgenluft mit sich trug. Althyrian genoss diese Momente des Morgens an Bord eines Schiffes am meisten. Die Stille die der Sonnenaufgang mit sich brachte, umspielt von der lieblich warmen Brise der See. Nur das leichte Rauschen der Wellen war zu hören und ein Großteil der Matrosen war eingeschlafen, nicht aus mangelnder Disziplin, sondern eher aus Erschöpfung. Haben sie doch seit dem Angriff der Schläferzombies unentwegt gearbeitet und kaum einen Bissen zu sich genommen.

Althyrian selbst konnte auch die Augen kaum mehr offen halten. Er musste sich nur einen Moment ausruhen, dachte der junge Elf. Und kaum da er die Augen geschlossen hatte und kurz geschlafen hatte - die Sonne stand nun etwas höher am Himmel - wurde er wieder aus dem Schlaf gerissen als einer der Matrosen lautstark zu rufen begann: "Land! Die Schönheit, sie wurde ans Ufer getrieben!"

Aufgeschreckt aus einem Traum über die schöne Elfe die er auf der Mondsichel gesehen hatte, eilte der etwas verschlafene Althyrian zur Reling. Tatsächlich, dort im seichten Gewässer des Strandes lag das Wrack der Schönheit der Tiefe. Sie muss von einer größeren Welle dorthin gespült worden sein. Doch die Besatzung, die fehlenden Hochelfen, waren nicht zu sehen. "Nähert euch der Küste und setzt die Beiboote zu Wasser! Gebt ein Signal an die Mondsichel aber schreckt die Bevölkerung unter Deck nicht noch mehr auf, solang wir nicht wissen, was mit den Überlebenden ist." wendet sich der Edle dann an eine Matrosin, welche darauf hin wieder ein Signal weitergibt ins Horn zu blasen.

Ein weiteres Mal folgt ein lang anhaltender melodischer Hornstoß, weit weniger bedrohlich als zuvor.

Ein Matrose mit ungewöhnlicher rauer Stimme für einen Elfen ruft über Deck der Mondsichel "Macht die Beiboote bereit! Wir gehen an Land!" Und es vergehen nur wenige Minuten bis die Beiboote der Mondsichel mit medizinischer Ausrüstung und bewaffneten Männern und Frauen bestückt darauf warten ins Küstennahe Wasser abgelassen zu werden um an Land rudern zu können.

"Du kannst nicht mit an Land!" hört man unter Deck im privaten Bereich der Tir`rána Geldaroins Stimme "Wir wissen nicht was uns dort erwartet. Ich könnte es mir nie verzeihen wenn meiner Mondblüte etwas zustößt." Mit enttäuschtem Blick bleibt Naheniel auf der Mondsichel zurück, nachdem die Beiboote abgelassen werden. Wie gerne hätte sie nach all dem Geschaukel in der Nacht wieder festen Boden unter ihren Füßen gespürt. Der Steuermann der an Deck geblieben war trat an Naheniel heran mit einer Art elfischem Fernrohr in den Händen "Möchtet ihr sehen was sich an Land abspielt?" Naheniel nickt dankbar und sieht durch das Rohr hindurch zur Küste hinüber.

Die Matrosen der Seefalke warten mit dem Ablassen der Beiboote bis die Mondsichel aufgeholt hat und in Position ist. Die ersten Elfen die die Beiboote betreten sind nur in leichte agile Lederschützer mit silbrigen Metallplatten über den lebenswichtigen Organen. Sie tragen typisch für fenbalarisches Militärpersonal weiße Röcke mit hellblauen Unterröcken. Schwerter zieren ihre Gürtel und jeder von ihnen trägt einen großen, individuell verzierten Jagdbogen aus fein verarbeitetem hellem Holz. "Mein Herr, Ihr schickt die Jäger?" wendet sich eine kräftig wirkende Elfe an Althyrian. "Es sind zuviele Seelen an Bord dieses Schiffes, als dass ich die Hausgarde fortschicken könnte. Sie sind doch die einzigen, die des Kampfes hier mächtig sind. Ihr solltet das wissen, habt ihr sie doch ausgebildet Hatalielle." spricht dieser, ehe er seinen reich verzierten Bogen greift und selbst in das erste Boot steigt. Es folgen noch zwei weitere Boote von der Fenbalar, insgesamt trägt die Jagdgesellschaft des Edlen sieben Elfen. Der Restplatz in den Booten ist für die Überlebenden gedacht.

Als das Ruderboot Althyrians am Wrack der Schönheit der Tiefe vorbeirudert, sieht dieser voll Entsetzen, mehrere Elfen im Wasser treiben. Bei näherem hinsehen, wird ihm klar, dass das Schiff wohl bevor es hier angetrieben wurde auf ein Riff aufgelaufen sein muss. Diese tapferen Seelen, die ihr Leben lassen mussten, haben wohl dafür gesorgt, dass das Schiff es noch weiter bis zum Ufer schafft, nur um dabei selbst zu ertrinken. "Sie müssen versucht haben, das Schiff vorm Sinken zu bewahren... heroische Tode. Wir werden ihre Leichen bergen und ihre Körper dann verbrennen, sodass ihre Seelen zur Sternenmutter auffahren können. Doch zunächst müssen wir sehen, wo die anderen sind. Es müssten noch weit mehr Elfen sein, die Beiboote fehlen auch." spricht Althyrian zu den rudernden Jägern, laut, sodass auch die anderen beiden Boote mithören können.

Durch das Fernrohr kann die junge an Bord zurück gebliebene Elfe mit dem weißen Haar gut erkennen, dass die Matrosen der Mondsichel dem Befehl ihres Vaters nachgekommen waren und lediglich mit 2 Boten an Land ruderten. Ein drittes Boot ohne Besatzung ziehen sie an einem Seil hinter sich her. und erreichen nur einige Augenblicke später als die Fenbalar die Küste. Der Steuermann der neben Naheniel stehen geblieben war muss die im Wasser treibenden Leichen ebenfalls ausgemacht haben und versucht daher die Aufmerksamkeit der jungen Elfenfrau davon abzulenken. "Seht, Althyrian Fenbalar höchst selbst ist mit an Land gegangen." Naheniel schwenkt das Fernrohr weg vom Wasser wohl noch bevor sie eine der Leichen ausgemacht hatte und richtete es nun auf den blonden Elfen an der Küste. Sie erkannte ihn wieder. Er muss es gewesen sein, den sie gestern Abend an Deck der Seefalke gesehen hatte ehe der Sturm losbrach. So wohl wie sie von ihrem Vater und dessen Wachmännern behütet wurde, war sie in Lyanar nicht viel vor die Tür gekommen, daher kannte sie häufig die Gesichter stadtbekannter Elfen nicht. So war es auch hier. Seinen Namen hatte sie aber schon häufig gehört. Da Naheniels Vater Geldarion nicht all zu begeistert von der Familie Fenbalar war, war es nur selten etwas positives. "Ich hatte ihn mir kleiner, gedrungener vorgestellt... weniger stattlich" sagt sie leise, als würde sie fürchten der Wind trüge ihre Worte an die Küste. Der Steuermann, ein alter Bekannter ihres Vaters gibt ihr ebenso leise, aber mit einem grinsen im Gesicht Antwort "Gefällt er euch? Die Fenbalar sind eine angesehene Familie. Und auch Euer Vater kann eigentlich nichts gegen Sie sagen. Der Zwist zwischen den beiden Familien Tir'rána und Fenbalar ist schon so viele Tausend Jahre alt, dass niemand mehr weiß worum es dabei eigentlich ging. Wäre ich euer Vater, hielte ich ihn für ein gutes Los für euch." Erschrocken nimmt Naheniel das Fernglas herunter "Wie sprecht Ihr über meinen Vater? Sagt ihr er entscheidet eines alten Zwistes wegen nicht zu meinem Wohl?" Dem Steuermann ist sichtlich unwohl, scheint er jetzt erst zu realisieren dass er mit dieser Aussage seine Befugnisse weit überschritten hat. "Nein, er will nur euer Bestes. Entschuldigt mein unüberlegtes Seemannsgeschwätz." Mit diesen Worten und um der unangenehmen Situation zu entgehen verlässt er das Obere Deck um auf dem unteren Deck einigen Matrosen mehr oder weniger wichtige Befehle entgegen zu bellen.

Althyrian beäugt die an Land gehenden Truppen der Tir'rána einen Moment lang, dem an Land getretenen Geldaroin schenkt er eine langsame Verbeugung des Kopfes, mit der rechten Hand als Faust vor der Brust, und der linken als Faust hinter dem Rücken. Eine höfische Geste aber wohl nur die mindeste. "Ich grüße euch, Geldaroin aus dem Hause Tir'rána. Ich bin amüsiert, dass das Schicksal unser beider Häuser vor größerem Unglück verschont hat." Der Edle wendet sich dann seinem Gefolge zu. "Zieht die Boote an Land und macht euch bereit. Wir müssen wohl in diesen Wald vordringen. Die Überlebenden, werden sich auf der Suche nach einem sicheren Rückzugsort dort hinein begeben haben. Passt aber auf, wenn die llordanischen Karten stimmen, soll es auf diesen Inseln Waldelfen geben. Wir wissen nicht, wie unsere Brüder auf uns reagieren werden."

Althyrian wendet sich nun komplett von Geldaroin ab und folgt, nachdem seine Truppen bereit waren der Gruppe in die Tiefe des Waldes.

Der Wald wird schnell dichter. Nur hier und da schimmert der helle Sand zwischen Moosen und Gräsern durch. Wurzeln, die sich wie Stolperschnüre über den Pfad legen, machen das Vorankommen schwer. Nach einigen hundert Metern, das leise Rauschen des Meeres lässt sich noch deutlich vernehmen, wechselt das nur schwer durchdringliche Dickicht in hohe Bäume über. Diese Baumart trägt die Krone sehr hoch, weshalb die Blätter eine Art Dach über dem Waldboden bilden, getragen von einer Vielzahl gerader Stämme.

Auch die Luft wird merklich anders. Das Blätterdach hält die kältere Seeluft vom Boden entfernt, weshalb es hier spürbar wärmer ist. Die Wärme wirkt, kombiniert mit dem schattigen Zwielicht, fast einschläfernd. Den Hochelfen ist von daher nicht klar, ob das eben vernommene Lachen, gefolgt von Freudesschreien, der Wirklichkeit angehört oder nicht doch eine Frucht ihrer Erschöpfung ist.

Geldarion erwidert die Begrüßung Althyrians und nickt ihm dabei schweigend zu ehe er seiner Schiffsbesatzung Anweisungen gibt "Durchsucht das Wrack, bergt die im Wasser treibenden Körper und überprüft bei jedem genau ob er tatsächlich tot ist. Verarztet die Lebenden die ihr findet und erstattet mir Bericht. Ich werde mit zwei Männern hier bleiben" Geldarion deutet auf zwei leicht bewaffnete Seemänner "und die Boote bewachen."

Naheniel hat in der Zwischenzeit das Fernrohr wieder aufgenommen und schaut Althyrian nach wie er mit seinen Männern im Wald verschwindet während eine andere Elfe die beinahe das gleiche Kleid trägt neben sie an die Reling heran tritt "Gib mir das Fernrohr Schwester, dort sind Dinge zu sehen die dein schwächliches Gemüt erschüttern könnten und ich habe keine Lust die restliche Reise dein Wehklagen anhören zu müssen!" Mit diesen Worten schnappt Fey'eria Tir'rána - Naheniels ältere Schwester - das Fernrohr um selbst hindurch zu schauen und fügt hinzu "Wem hast du da nachgegafft?" Fey'erias sucht den Waldrand ab, kann aber niemanden mehr ausmachen. Sie senkt das Fernrohr, weil ihre jüngere Schwester ihr keine Antwort gegeben hat und sieht nun auch weshalb. Naheniel hatte sich leisen Fußes und ohne jeglichen Kommentar vom Oberdeck entfernt und war auf das untere Deck zurück gekehrt.

Als sie das Lachen wahrnehmen beginnen die Elfen Pfeile aus ihren Köchern zu nehmen und diese in die Bogensehne einzunocken. "Haltet euch bereit, wir wissen nicht, auf was wir stoßen könnten." merkt Althyrian leise an, ehe er sich zum Boden bückt um einen Stofffetzen aufzuheben, der aus lyanarischer Seide gewebt wurde. "Sie müssen hier durchgekommen sein. Ich hoffe es geht ihnen gut."

Die kleine Gruppe bewegt sich mit halbwegs leisem Schritte weiter in den Wald hinein. Die Nervösität ist den Elfen ins Gesicht geschrieben. Hinter jedem Baum scheint ein Schatten zu huschen und jedes Vogelgezwitscher wird für das Lachen eines Elfen gehalten. "Mein Herr, ich dachte die Waldelfen seien unsere Brüder, wieso spielen sie so mit uns?" flüstert einer der Jäger in Richtung des Edlen. Dieser deutet jedoch nur an leise zu sein und richtet seinen Blick dann wieder aufs Geäst während die Gruppe voranzieht.

Es vergehen einige Minuten der Anspannung, bevor sich wieder ein Lachen vernehmen lässt. Diesmal ist es eindeutig keine Einbildung. Das Lachen ist hell und klar. Gelassenheit und Aufregung schwingen in der Stimme mit.
Ein rhythmisches Schlagen schallt nun durch den Wald - wie wenn Holz mit einer Axt bearbeitet wird. Dazu gesellt sich eine kaum wahrnehmbare Melodie.

Das Gelände beginnt etwas unebener zu werden. Kleine Hügel tun sich vor den Hochelfen auf. Einzelne Findlinge ragen, willkürlich wie die Spielsteine eines Riesen verteilt, zwischen den hohen Bäumen auf. Das Echo des Schlagens hallt zischen den Felsbrocken hin und her, so dass es, wenn man die ersten Hügel erklimmt und sich zwischen den Findlingen befindet, aus allen Richtungen zu kommen scheint.

Mit großer Anspannung begibt sich der Suchtrupp von Althyrian auf die Hügel. Sichtbar irritiert durch das Gelächter beginnt eine der Jägerinnen wild zwischen den Steinen hin und her zu blicken. Als würden ihre Augen versuchen etwas zu erhaschen, dass da nicht sein kann. Niemand kann sich so schnell bewegen, versucht Althyrian sich in Erinnerung zu rufen.

"Lasst euch von ihren Spielerein nicht ablenken. Wir müssen die unseren finden, weiter!" spricht der Elfenedle dann, während er sich selbst stark bemühen muss, das Gelächter zu ignorieren und den Wald im Auge zu behalten.

In einiger Entfernung können die Jäger um Althyrian schließlich die Quelle des Gelächters erspähen. Ein Waldelf, der einen dunkelgrünen Gambeson mit metallenen Schutzplatten an Schultern, Brust und Bauch trägt, spaltet gerade ein letztes Stück Holz. In einigen Metern Abstand lehnt sich eine zierliche Waldelfe mit kurzem, kastanienbraunen Haar an einen der Felsbrocken an. Mit der linken Hand wiegt sie einen Bogen, ähnlich zierlich wie sie. Sie lacht auf eine Bemerkung des Elfen hin abermals auf, bevor sie sich daran macht, die Holzscheite zu einem Bündel zusammenzuschnüren.

Es vergehen nur wenige Augenblicke, bevor sich die beiden aufmachen und einen Pfad einschlagen, der weiter in den Wald hinein zu führen scheint. Dicht gefolgt werden sie von zwei weiteren Elfen, beide mit Bogen ausgestattet, die sich hinter dem Felsbrocken befunden haben müssen. Die Gruppe steigt in eine Senke hinab, aus der nun das Schlagen einer Schöpfkelle auf einem Blechteller tönt. Und tatsächlich umweht ein leichter, aber doch deutlich erkennbarer Duft von Eintopf die Nasen der Hochelfen.

Die Hochelfengruppe gibt ihr bestes, den Waldelfen so unauffällig wie möglich zu folgen. Da Althyrian klar ist, dass seine Gruppe an Arelith sich wahrscheinlich so laut verhält als würden sich Menschen an Hochelfen anschleichen, versucht er einen etwas größeren Abstand einzuhalten.

"Herr Althyrian, riecht ihr das? Es scheint, als hätten die Waldelfen weiter vorne ein Lager aufgeschlagen. Denkt Ihr, sie halten unsere Brüder und Schwestern gefangen?" Meldet sich ein jüngerer der Jäger. "Es wäre das erste Mal, dass ich davon höre, dass Waldelfen sich an unsereins vergreifen, aber ich hatte auch nicht geglaubt, dass die Schläferzombies uns jemals wahrlich gefährlich werden könnten. Bleibt weiterhin wachsam, feuert aber nur, wenn ihr angegriffen werdet." entgegnet Althyrian, während er sich weiter nach vorne bewegt.

Die Anspannung, die durch den Körper der Hochelfen geht ist in der Umgebung schon fast spürbar. Die Götter mussten sie alle verlassen haben, wie sonst ließe es sich erklären, dass die Schläferzombies einen so hohen Zoll fordern konnten, sie ihre Heimat verlassen mussten, dann ein ganzes Schiff voll Überlebender verloren haben und nun, nicht nur die Schiffbrüchigen in Gefahr waren, sondern auch ein wichtiger Prinz eines elfischen Hauses samt Geleitschaft. Wahrlich, die Götter mussten beide Augen abgewendet haben.

Schließlich erreichen die Hochelfen eine Stelle hinter einem massiven, gegabelten Baumstamm, von der sie die Senke überblicken können. Diese hat etwa einen Durchmesser von etwa einhundert Schritt und steigt zu einer Seite sanft an. Die Seite, an der sich die Hochelfen verbergen, fällt eher steil ab.

Tatsächlich befindet sich an diesem Ort ein Lager der Valirith. Mehrere kleine Zelte und Unterstände scharen sich um ein größeres, in die Länge gezogenes Zelt aus grünem Stoff, das in der Mitte der Senke aufgestellt wurde. Davor, in einem Abstand von etwa 15 Schritt, brennen drei Feuer. Auf jedem der Feuer steht ein gusseiserner Kessel, von wo der Geruch nach Eintopf herzurühren scheint.
Eine hochgewachsene, etwas dicklichere Elfe, in deren braunes Haar sich die ersten grauen Strähnen mischen, steht am mittleren Kessel und füllt mit einer großen Schöpfkelle Eintopf in die beiden Holzschalen, die ihr die junge Elfe, die die Arelith mit dem Holzfäller gesehen hatten, entgegenhält. Diese eilt dann mit katzenartigen Schritten zwischen anderen Waldelfen hindurch zu einer Gruppe Hochelfen, die sich etwas abseits der Feuer auf mehreren, gefällten Baumstämmen niedergelassen haben, und überreicht die beiden Schüsseln. Einige der Hochelfen liegen ermattet auf dem Waldboden, während andere leise schluchzend den Verlust ihrer Liebsten betrauern. Wiederum andere scheinen in ein Gespräch mit einigen der Waldelfen vertieft.

Insgesamt, so zählen die Jäger Althyrians, müssten sich in diesem Lager um die drei oder vier Duzend Valirith befinden.

Als Althyrian das große Lager der Waldelfen entdeckt und sieht, dass diese sich scheinbar um die Schiffbrüchigen kümmern erhebt er sich hinter dem Baumstamm und tritt etwas zur Seite, sodass er gut ersichtlich für die Elfen in dem Lager ist. Mit lauter Stimme wendet er sich an die Allgemeinheit: "Ich grüße euch, ihr Valirith dieser Wälder! Ich bin Althyrian aus dem Hause Fenbalar." während er dies spricht, legt er sich den Bogen wieder um die Schulter und hebt die Hände dann mit offenen Handflächen in Richtung der Waldelfen vor die Brust. "Ich sehe ihr versorgt Arelith in euren Reihen. Wir sind auf der Suche nach Schiffbrüchigen unseres Volkes."

Auch die anderen Jäger der Gruppe treten hinter ihrem Herren in Sicht der Waldelfen, die Bögen gesenkt, die Pfeile wieder in die Köcher gesteckt. Bemüht kein bedrohliches Bild auszustrahlen.

Viele Augenpaare wenden sich den Hochelfen zu. Einige erleichterte Rufe tönen aus den Reihen der Arelith, die mit der Schönheit der Tiefe Schiffsbruch erlitten haben. Ein Lächeln macht sich auf dem Gesicht der dicklichen Waldelfe breit, die gerade Eintopf austeilt. "So habt Ihr sie also gefunden, Althyrian aus dem Hause Fenbalar." Sie deutet eine leichte Verbeugung an. Mit der freien Hand zeigt sie auf die sitzenden Hochelfen. "Eure Gefährten glaubten Euch tot. Und wenn man ihren Erzählungen Glauben schenken darf, seid Ihr dem Tode noch gerade so entkommen. Bitte..." - ihre Hand beschreibt eine ausladende Geste - "...seid unsere Gäste. Schont Eure Glieder und erholt Euch von den Strapazen. Meine Tochter wird Euch sogleich eine Schüssel mit warmem Essen bringen." Sie winkt die jugendliche Elfe mit dem kurzen braunen Haar zu sich. Diese wirft dem Elfenedlen einen vielsagenden Blick zu , lächelt und eilt dann zu einer Truhe, aus der sie einige Holzschüsseln kramt. Nun spricht wieder die stämmige Waldelfe: "Der Hauptmann wohl auch bald wieder zu uns stoßen. Es sollte eigentlich jeden Mome…" Aus dem großen, grünen Zelt dringt der langgezogene Schmerzensschrei einer Elfe. Ruhe. Weitere Schreie, diesmal kurz und stoßartig.

Nachdem sie sich kurz umblicken, wählen Althyrian und die hochelfischen Jäger den sichersten Weg die Böschung hinunter. Unten angekommen, verstaut auch der letzte der Jagdgesellschaft seine Waffen sorgsam und die Hochelfen nähern sich beruhigt dem Lager der Waldelfen. "Nun, der Sturm in der letzten Nacht hätte auch unser Ende sein können, wenn unsere Steuermänner nicht erfahrene Seeleute wären, die selbst unter der größten Anspannung noch einen kühlen Kopf bewahren."

Als er sieht, wie die junge Elfe die Holzschüsseln aus der Truhe holt füllt sich das Gesicht Althyrians mit einem wohligen Lächeln. "So gerne ich nun hier mit Euch diese Mahlzeit genießen würde, drängt doch zuerst die Benachrichtung der Besatzung der Seefalke und der Mondsichel. Sie haben alle Freunde unter den Überlebenden und warten auf den Schiffen sehnsüchtig, dass wir die Überlebenden finden." Althyrians Miene wird etwas ernster. "Aber sagt, was macht Ihr und eure Sippe in diesen Wäldern? Habt ihr keine Angst vor den Schläferkranken die überall zu sein scheinen?"

Die dickliche Waldelfe lächelt; ihre geröteten Wangen erinnern an reife Äpfel. "Seid ihr sicher, dass Ihr euch nicht lieber ausruhen wollt? Ihr seht aus, als hättet Ihr eine wahrhaftig stürmische Nacht hinter euch!" Sie deutet mit dem Kochlöffel auf ein Lagerfeuer. "Keine Widerrede. Setzt euch; ich schicke die flinksten Läufer los."

In diesem Moment treten zwei Elfen aus dem großen, waldgrünen Zelt. Der eine, sichtbar jung und mit kurzem, schwarzen Haar, hält ein kleines, quäkendes Bündel in den Armen. Stille macht sich breit. Der zweite, etwas größer und kräftiger gebaut als der erste, legt seine behandschuhte rechte Hand auf die Schulter des jungen Elfen. Mit der linken hebt er die Faust in die Luft, bevor er mit einer tiefen, leicht heißeren Stimme in die Menge ruft:

"Heute ist ein besonderer Tag. Ja, ein schicksalhafter Tag! Seit sieben Jahrzehnten war uns das Glück vergönnt, ein neues Mitglied in dieser Gemeinschaft willkommen zu heißen. Und nun, in den Stunden nach einem wilden Sturm, als Spross aus trockenem Boden, als Hoffnungsschimmer in dieser vom Schläfer überrannten Welt, gebiert Alayena eine Tochter." Der Elf ergreift mit der linken nun eine langstielige Axt, die er in die Höhe streckt. Alle Waldelfen springen auf und heben ihrerseits ihre Waffen. "Euer Blut für das Eenellas, Tochter von Alayena. Eure Lieder für Eenella Sturmtochter!" Die Waldelfen stoßen Freudenrufe aus, die jedoch bald wieder verstummen, als das Bündel zu weinen anfängt.

Der Elf, der sichtlich der Hauptmann ist, wendet sich lächelnd an den jungen Vater: "Nun kehre rasch zu Alayena zurück. Eine junge Familie soll nicht allzu lange getrennt sein." Erst dann fallen dem Elf die Neuankömmlinge ins Auge. Er fixiert seine schwarzen, von Silbersträhnen durchzogenen Haare mit einem Stirnband. Sein eines Auge - das andere ist erblindet - ruht dabei auf den Hochelfen und der Köchin, die ihn freudenstrahlend anblickt.

Dabei flüstert sie zu Althyrian und seinen Jägern: "Das ist Cyrael, er ist unser Hauptmann. Er führt unsere Gruppe schon länger, als manch einer zurückdenken kann. Angeblich war er einer der ersten, der damals die Schläferkranken entdeckt hat." Sie raunt ihnen zu: "Ihr müsst wissen, die Krankheit erreichte unseren Kontinent schon vor gut hundert Jahren. Und seitdem versuchen wir, uns irgendwie durchzuschlagen. Die meisten Elfen leben inzwischen nomadisch, die Menschen sind hier seit einigen Jahrzehnten ausgestorben." Sie verstummt, als Cyrael die Gruppe erreicht. Dieser lächelt die Hochelfen an und wendet sich an Althyrian. "Ihr seid hier sicher. Die großen Herden an Schlafenden sind momentan viel weiter nördlich. Auf dieser Halbinsel ist uns noch kein einziger begegnet."

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