Morgens, nicht zu früh, aber auch nicht zu spät, wenn die Sonne schon die ersten Stunden am neuen Tag verweilte und auch die größte Schlafmütze die Augen geöffnet hat, öffnet der Aramonpalast aus einem bestimmten Grund seine Pforten. Dies geschieht nicht an allen Tagen, aber wenn es der Fall ist, füllt sich der Thronsaal schnell mit neugierigen Bürgern. An einem solchen Gerichtstag empfängt der König die Öffentlichkeit, um über Vergehen und Streitigkeiten seiner Untertanen zu richten.

Ein Gerichtsprozess läuft in Forod folgendermaßen ab. Es gibt drei Positionen. Zunächst gibt es einen oder mehrere Kläger, die entweder Bürger des Reiches, anerkannte Gäste des Reiches oder Wachtmeister sind. Letztere bringen Verstöße in ihrem Revier zu Anklage, wenn beispielsweise der Geschädigte nicht Aussagen kann oder der Geschädigte das Königreich und seine Institutionen selbst sind. Der oder die Kläger tragen zu Beginn eines jeden Prozesses ihre Anklage vor.

Die zweite Position sind eine oder mehrere Angeklagte. Angeklagt werden können alle Bürger und Gäste des Königreichs. Ausgenommen sind Schutzherrn wie Vögte, Grafen und natürlich der König selbst. Rechtsverstöße von diesen werden an anderen Stellen und mit anderen Methoden verurteilt. Die Schutzherrn können jedoch selbst gegen andere auf diese öffentliche Weise klagen. Der oder die Angeklagte dürfen nach der Anklage eine Verteidigungsrede halten.

Für Kläger als auch Angeklagte dürfen Rechtsvertreter die Reden halten. Diese sind jedoch recht teuer und nicht jeder kann sich einen solchen leisten.

Die letzte Position ist der König selbst. Als Richter darf er an beide Parteien nachfragen stellen und schließlich ein Urteil fällen. Ein Büttel im Dienste des Königs organisiert die Gerichte, als verlängerter Arm des Königs registriert er Anklagen, moderiert die Prozesse und trägt Sorge für die korrekte Protokollierung des Urteils.


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Fall 1: Der falsche Hund

Büttel: Eure Majestät, wertes Volk. Der Kläger, Bürger Willibold Flecken, gerufen Willi, wirft dem Angeklagten, Bürger Theodor Flecken, gerufen Theo, vor, dass er am Markttag vergangene Woche kaltblütig und ohne Erlaubnis des Klägers einen Hund auf der Weide getötet habe. Bürger Willibold Flecken, tragen sie vor. Sie haben keinen Rechtsvertreter, wie ich meinen Akten entnehmen kann.

Willibold: Eure Majestät, der verdammte Hurensohn hat meinen geliebten Rüden Toni brutal am morgen des besagten Tages ermordet. Ermordet sage ich. Es war ein so liebes Geschöpf und hat immer gut auf meine Schafe aufgepasst. Ich hab keinen Laut gehört, obwohl der Ort der Tat ganz in der Nähe war. Deshalb gehe ich davon aus, dass mein verfickter Bruder es war, denn er kannte Toni und Toni hätte bei einem Fremden sicher Laute von sich gegeben, wenn er die Weide betreten hätte. Meine älteste Tochter, wunderbare 16 Sommer alt, hat sie am Morgen auf der Weide zwischen den Höfen entdeckt. Ein Motiv habe ich auch schon längst ausgemacht, denn der Toni ist manchmal zum Nachbarhof von meinen Bruder gestreunt und hat die Hündin meines Bruders öfters… nunja, Seine Majestät weiß sicher was ich meine. Nun hat er meinem Toni aus Rache das Leben genommen, weil er das nicht ertragen konnte.

Büttel: Danke, Bürger Willibold Flecken. Was sagt ihr zu eurer Verteidigung, Bürger Theodor Flecken? Sie haben ebenfalls keinen Rechtsvertreter, genau wie ihr Bruder.

Theodor: Genau Meister Büttel. Herr Majestät, ich meine Eure Majestät. Es war völlig anders als mein Hurensohn von Bruder es schildert. Tina, meine heißgeliebte Hündin, und aus dem selben Wurf wie der Toni, ist krank geworden und jeden Tag ging es ihr schlechter. Sie hatte Atemprobleme und wäre am Markttag wohl grausam erstickt. Was tut also ein guter Hundebesitzer? Er erlöst seinen Liebling vom unheimlichen Leid. Also trug ich sie früh am Morgen, es dämmerte noch, zu ihrem Lieblingsort auf der Weide. Womit ich nicht rechnete, war, dass Toni, der räudige Köter meines Bruders auch schon da war und Tina selbst im Sterben nicht in Ruhe lassen konnte. Meine Tina röchelte qualvoll als die beiden sich am Hintern beschnupperten und ich beeilte mich, um ihr nicht noch mehr Leid zuzumuten. Ich packte sie und brach ihr das Genick, dachte ich zumindest. Im schlechten Licht und weil beide Hunde sich ähneln hatte ich ausversehen Toni erwischt. Ich war irritiert und Tina war gar so schockiert, dass sie einen unheimlichen großen Knochen auskotzte, den sie Tage zuvor gefressen haben musste und ihr quer im Hals gesteckt hatte. Deshalb hatte sie sicher diese Atemprobleme und war nicht krank. Ihr geht es wieder gut. Ich vermute der Willi hat ihr diesen Knochen gegeben. Es war ein Versehen und kein Mord.

Büttel: Es gibt keine Augenzeugen. Einzig die Tochter des Klägers, Mathilda Flecken, bestätigte dem Wachtmeister Egbert gegenüber, den Hund am morgen tot im Gras gefunden zu haben. Nachbarn gaben bei der Befragung an, dass sie öfters die Hunde auf der Weide haben spielen sehen. Das Land im Nordend wurde an die beiden Brüder geteilt vererbt, die Brüder rissen den Hof in der Mitte des alten Grundstücks ab und erbauten jeweils einen eigenen Hof. Kläger und Angeklagter werden von Befragten als nett und hilfsbereit beschrieben. Dies trifft jedoch nicht auf die brüderliche Beziehung zu, denn dort gönnt keiner dem anderen etwas.

Die Anklage lautet Tiermord. Der Angeklagte gibt die Tötung des Hundes zu, aber besteht darauf, dass es ein Unfall war.

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